Donnerstag, 14. Oktober 2010

Hawaii Part 4

Tag 10, Samstag:

RACEDAY! Morgens gegen 3 Uhr klingelte der Wecker und es stand ein kleiner Auftakt auf dem Programm. Mit müden Augen und meinem iPod machte ich mich auf die Strasse, um meinen Körper mit einem 10min Lauf zu wecken. Während dessen machten sich schon einheimische Volunteers an die Arbeit eine weitere Verpflegungsstation vor unserem Hotel zu errichten.
Um 4:10 Uhr ging es dann mit Natascha und meinen Eltern Richtung Pier. Hinter dem King Kamehameha Hotel trennten wir uns, denn ich musste zum Body-Painting. Die Nummern werden mit Stempelkissen auf beide Arme gestempelt.


Nun ging es in die Wechselzone und ich bekam erstmal einen Überblick wie wenig Platz hier einem zur Verfügung steht, wenn alle Fahrräder eingecheckt sind.
Es war noch nicht soviel los, dass ich mich gleich mit einem Schweizer an das Aufpumpen der Reifen machen konnte.
Als ich meine Sachen zu ordnen begann, bemerkte ich, dass ich meine Radflasche und Biketicket vergessen hatte, so dass ich auf der Suche nach einer neuen war. Die Suche dauerte ewig, war aber erfolgreich, da mir ein anderer Athlet seine schenkte und ich mir somit keine Sorgen mehr machen musste.

Um 6:30 Uhr starteten die Profis und ab diesem Zeitpunkt wollte ich mit dem Einschwimmen beginnen. Nur leider wollte ich das nicht alleine, so dass ich mich durch die Masse drängen musste.
Das Einschwimmen verkürzte sich auf circa 10 min, da ich die restliche Zeit damit zubringen musste, meine Position an der Startlinie zu verteidigen. 20 min im Wasser "auf der Stelle schwimmen" und das Gedränge abwehren und keine Kraft verschwenden! Ich war nervös!


Um 7 Uhr erklang der Kanonenschlag das zweite Mal und wir restlichen 1600 Altersklassenathleten schwammen an. Der Schwimmstart und die erste Gerade von 1,9 km waren ein unglaubliches Gedränge.  Alle schwammen sofort nach rechts an die Bojen, um die kürzeste Strecke zu absolvieren und erschwerten mir damit meine Strategie von links an die Wende zu schwimmen.
Nach der Hälfte gelang es mir mich frei zu schwimmen, um mit großen Radius, ungestört zu wenden. Damit konnte ich mich für den Rückweg in eine bessere Position bringen, am Ende zum Ausstieg nochmal beschleunigen und Plätze gut machen.
Eine Traumzeit wäre ein Swimsplit unter einer Stunde gewesen, den ich auch erreichte und dadurch mit positivem Gefühl in die zweite Disziplin wechselte.


Die Radstecke stellte sich durch eine kleine Innenstadtrunde mit Wendepunkt und dem langen Highwaystück nach Hawi und zurück dar. Fahrerrische Höchstleistungen werden hier nicht verlangt, sondern eher einen kühlen Kopf zu bewahren (im wahrsten Sinne des Wortes)!
Da ich das erste mal ohne Pulsangaben fuhr, reihte ich mich erstmal in eine große Gruppe ein, um mich zu Verpflegen, denn in dem Innenstadtabschnitt war dies nicht möglich gewesen. Meine persönliche Taktik war mit einem (wenn möglich) 36er Schnitt nach Hawi fahren, um dann vielleicht mit einem 33er Schnitt nach 180 km abzusteigen. Den Rückweg hatte ich kräftezehrender eingeschätzt, da mir Anzahl und Längen der Anstiege mehr schienen. Außerdem rechnete ich mit meinen Tief auf dem Rad bereits ab Km 120.
Circa 15 km vor Hawi kam richtig Seitenwind auf und machte den Athleten mit Hochprofil im Vorderrad große Probleme. Nach Gesprächen in den Vortagen mit Thomas Hellriegel und Clemens Coenen (beide super nett) entschied ich mich, die 8cm Felge zu wechseln und auf ein kleineres Profil zu gehen.
Somit konnte ich die Passage durchgehend in Aeroposition fahren, Plätze gut machen und Kraft sparen. Nach 140 km kam das Loch. Vor und hinter mir keine Mitfahrer und ich sollte schwächeln. In weiterer Entfernung vor mir eine große Gruppe, an die ich ranfahren musste. Ich fing mich recht schnell und sollte in die Gruppe kommen, allerdings bestand sie aus weit zurückliegenden Profifrauen, an denen ich auch schnell vorbei fuhr. Die letzten 20 km kam meine Kraft zurück und ich konnte nochmal das Tempo erhöhen.
Nun stand nur noch der Marathon auf dem Programm. Schon mit den ersten Schritten merkte ich, dass wohl mein angestrebtes Tempo nicht durchzulaufen sei. Ich konnte mich doch dann relativ schnell fangen und lief bis circa Meile 6 planmässig. Danach sollte das Streckenprofil mir immer mehr Kraft rauben, dass sich das Laufgefühl mit "sehr zäh" gut beschreiben lässt.


Nach Km 40 ging es vom Highway nur noch in die Stadt herunter, um dann den legendären Alii Drive entlangzulaufen und die magischen Worte von Mike Reilly, "You are an Ironman", zu hören.
Nach 09:14:27h lief ich total erschöpft ins Ziel ein!
Gesamt wurde ich 82ter und neunter meiner Alterklasse, die auch den schnellesten Agegrouper mit 08:40:43h überhaupt stellt.
Ergebnisse!

Es war ein hartes Rennen, vielleicht erscheint mir das auch so aufgrund der Länge der Saison, aber mein Körper war und ist nach diesem Wettkampf deutlich mehr belastet als nach dem Ironman Frankfurt. Ich denke die Hitze macht einen großen Faktor aus und nimmt dem Körper seine ganzen Reserven.

Nach kurzen Abendessen im Hotel gingen Natascha und ich nochmal auf die Finishline-Party.

Tag 11, Sonntag:

Nach kurzer Nacht erwartete mich heute der erste OFF-Season Tag. Allerdings wurde die Freude durch Muskelkater und Steifheit des Körpers getrübt. Fließende Bewegungen waren eigentlich nicht möglich.

Abends stand die offizielle Siegerehrung mit Essensbuffett an. Eine langwierige und schleppende Veranstaltung.

Danach folgte die inoffizielle Party im Lulu's. Diese war dann nicht ganz so langweilig, nur das uns erst eine riesen Schlange am Eintritt erwartete, so dass wir den Zeitpunkt später wählten, um uns dort sehen zu lassen.

Tag 12, Montag:

Abreisetag. Damit wir heute nicht so viel zu tun hatten, packten wir den größten Teil schon am Vortag. Es standen nur noch die Bikes an, in die Koffer zu packen und anschließend sollten wir gegen 11 Uhr das Zimmer räumen. Abflug war gegen 21 Uhr, also hatten wir noch genug Zeit einige Präsente einzukaufen . Gegen 17 Uhr wurden wir vom Hannes Team zum Flughafen transportiert und sogar vom Herrn Kienle die Radkoffer gebracht.


Nachwehen: Der Körper ist sehr belastet worden. Ich bin sehr schlapp, habe Blasen auf dem Rücken von der Sonne und noch Abdrücke von meiner Startnummer auf den Armen. Trotzdem hat es sich gelohnt dort hin zu fahren und den Wettkampf zu machen.

Danke an alle, die mich vor Ort unterstützt haben und an den Fernsehgeräten und Internetstreams die Daumen gedrückt hatten.

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